• “Mehr Trainerwechsel als in der Bundesliga…”

    Die Hinserie ist vorbei und die laufende Saison hat bislang einige Überraschungen für die heimischen Fußballfans bereit gehalten. Grund genug, um ein Zwischenfazit der erste Saisonhälfte zu ziehen. Exklusiv für fussballkreisunna blickt Markus Laußmann, Coach des Königsborner SV, auf die ersten 14 Spieltage der Bezirksliga zurück.

    Trainer Königsborner SV

    KSV-Trainer Markus Laußmann

    Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Zeit um kurz Rückblick auf den bisherigen Verlauf der Fußballsaison unserer Bezirksliga Gruppe 8 zu halten. Beginnend in den oberen Tabellenregionen und zwar mit der Tabellenspitze, die seit dem 2. Spieltag von der SpVg Holzwickede bekleidet wird, wollen wir die Rückschau angehen.

    Favoriten

    Die SpVg Holzwickede wurde vor der Saison – wie in den vergangenen Jahren auch – von allen Experten hoch gehandelt. Bislang wurde die Mannschaft mit bereits 5 Punkten vor dem Tabellenzweiten SV Brackel ihrer Favoritenrolle mehr als gerecht. Das ist insofern hoch zu bewerten, als das alle Mannschaften gegen die Top-Elf aus Howi besonders motiviert agieren und gegen diese unbedingt ihr „Spiel des Jahres“ machen möchten. Die herausragende Qualität des Kaders dürfte sich am Ende der Saison durchsetzen, wenn sich nicht das wiederholt, was sich in den vergangenen Jahren zugetragen hat. Der HSV hatte in den letzten 3 Jahren extrem starke (stärkere) Widersacher mit Herbern, Wickede und davor Weddinghofen. In dieser Saison gibt es eine solche Mannschaft nicht, so dass die HSV es dieses Jahr schaffen könnte, wenn sie sich weiterhin als Team präsentieren und sich nicht selbst schlägt… .

    SV Holzwickede gegen VfL Kamen

    Die Verfolger mit dem VfL Kamen, FC Nordkirchen und BSV Schüren haben ebenfalls ihre Hausaufgaben gemacht. Die Zielsetzung „oben mitzuspielen“ und auch in der Winterpause noch Tuchfühlung auf den Tabellenersten zu haben wurde erreicht. Insbesondere für die Kamener und die Nordkirchener ist noch alles offen. Bei noch einem Spiel weniger sind es „nur“ 9 Punkte, die es gilt aufzuholen. Nicht unmöglich, wobei Holzwickede sicherlich den psychologischen Vorteil für sich in Anspruch nehmen darf.

    Überraschungself

    Der SV Brackel – zur Zeit ärgster Verfolger des HSV – gehört zweifellos zu den größten Überraschungen der Bezirksliga-Hinrunde. Letztes Jahr noch knapp dem Abstieg entronnen, wurde die Mannschaft um Neu-Trainer Axel Schmeing mit (weiteren) jungen Spielern punktuell verstärkt und diese zu einem ernsthaften Konkurrenten der Spitzengruppe neu formiert. Allerdings sei angemerkt, dass die Brackeler bereits in der vergangen Saison eine sensationelle Rückrunde gespielt haben, ohne die der drohende Abstieg sicherlich auch nicht mehr abzuwenden gewesen wäre.

    Das Mittelfeld

    Ein Wörtchen mitreden, was die Vergabe der „Meisterschale“ betrifft, wollte insgeheim sicherlich auch die Mannschaft des Lüner SV. Als Absteiger aus der Landesliga wollte man mit zahlreichen Neuzugängen einen (Neu-)Anfang starten und versuchen, den Wiederaufstieg anzupeilen. Zu unbeständig und launisch präsentierte sich das Team, und mit schon 6 Niederlagen (aus 13 Spielen) dürfte die Chance in der Rückrunde auf den Meisterschaftszug aufzuspringen, bereits verspielt worden sein. Übrigens das einzige Team, das bislang noch nicht unentschieden spielte.

    Nichts mit dem Aufstieg zu tun haben werden auch der SV Südkirchen und der SuS Kaiserau. Das wollten die Vereine natürlich auch nicht, gab es doch gute Mittelfeldplätze als Zielvorgabe. Das wurde bislang umgesetzt, trotzdem sollte man angesichts der lediglich 8 Punkte zum Nicht-Abstiegsplatz nicht zu sorglos auf den Tabellenplatz schauen.

    Die Enttäuschung

    Beim Blick in die unteren Regionen der Tabelle fällt ein Vereinsname auf, den im Sommer die wenigsten dort vermutet hätten. Verkehrte Welt: Die SG Phönix Eving sollte doch eigentlich mit Holzwickede & Co um die Meisterschaft spielen. Mit nicht weniger als 11 neuen Spielern – u.a. Spieler aus Westfalen- und Landesligen –  sollte die Mission Aufstieg angegangen werden. Was bis heute zustande gebracht wurde, ist enttäuschend: Nach 13 Spielen mit 14 Punkten findet man sich noch mitten im Abstiegskampf wieder, dazu noch ein Trainerwechsel und Aufgabe des sportlichen Leiters. Erzwingen kann man halt nichts…

    Die Aufsteiger

    Sonderlob von Markus Laußmann für Heerens Angreifer Tim Kloeter (rechts)

    Für die beiden Aufsteiger BSV Heeren und der SC Husen Kurl zählt in dieser Saison nur der Klassenerhalt in der Liga. Gut eingewöhnt haben sich  zunächst die Husener, die nach 7 Spielen immerhin 12 Punkte auf der Habenseite verbuchen konnten. In den darauffolgenden 7 Spielen konnte nur noch ein Zähler mitgenommen werden, so dass das Team es nicht schaffte, sich vorzeitig Luft im Abstiegskampf zu verschaffen.

    Der BSV Heeren steht mit 11 Zählern auf einen Abstiegsplatz. Für den Trainer Marco Slupek und den Verein ging es von Anfang an ausschließlich um den Verbleib in der Bezirksliga. Das wurde auch immer wieder betont. Eine dünne personelle Spielerdecke allerdings mit einem Torjäger, der bislang 13 der insgesamt 18 geschossenen Tore erzielt hat, reichen am Ende hoffentlich zum ersehnten Klassenerhalt. Ja, Hut ab vor Tim Klöter, der „Lebensversicherung“ des BSV. Wie er es schafft, Woche für Woche die gegnerischeren Spieler zu narren und Tor um Tor erzielt, hat schon Klasse. Ein echter Torjäger halt.

    Die weiteren Verdächtigen im Abstiegskampf

    Der FV Scharnhorst, der die untere Tabellenregion anführt, muss nun auch erfahren, dass das zweite Jahr nach dem Aufstieg oftmals das schwerere ist. Auch die DJK TuS Körne aus Dortmund sind mit in der Verlosung und konnten das Abstiegsgespenst bislang nicht vertreiben. Kein Wunder: Nach dem Weggang vieler Leistungsträger (u.a. zum Nachbarn SV Brackel) galt es nun eine Mannschaft mit vielen neuen und jungen Unbekannten zu formen. Das das nicht so einfach ist, war vielen vor der Saison klar und bei den Experten fiel als möglicher Absteiger nicht nur einmal der Name aus dem Dortmunder Vorort.

    Weiterhin ist mit dem SuS Derne eine Dortmunder Mannschaft ein fester Bestandteil in unteren Gefilden. Nicht nur das: Mit nur 3 Punkten und noch ohne Sieg halten die Derner seit dem 3. Spieltag die rote Laterne in den Händen und es darf zumindest die Frage erlaubt sein, wie der Club den 10-Punkte-Rückstand zum rettenden Ufer in der Rückrunde noch schaffen soll.

    Last but not least…

    Kommen wir zu meinem Lieblingsverein in der Bezirksliga Gruppe 8, dem Königsborner SV. Sportlich gesehen ist die erste Hälfte der Saison 2010/11 nicht so gut verlaufen, wie man es sich im Umfeld gewünscht bzw. vorgestellt hatte. Das Ziel, dieses Jahr in ruhigere Fahrwasser zu gelangen konnte (noch) nicht erreicht werden. Woran hat`s gelegen? Der Trainerwechsel (Bronco Griesdorn wurde von Markus Laußmann abgelöst) wurde von Umfeld und Mannschaft akzeptiert, der neue Trainer herzlichst in der KSV-Familie aufgenommen. Die beiden Trainer – wie sie in der Außendarstellung unterschiedlicher nicht sein könnten – verfolgen die gleiche Philosophie und verstehen sich prächtig, was auch nicht immer selbstverständlich ist. Das Verletzungspech, was auch in diesem Spieljahr wieder anhält, soll hier nicht erwähnt werden, das wäre nur eine von vielen Ausreden, die Trainer immer wieder vorschieben…!? In der Mannschaft stimmt es, die ohnehin schon gute Trainingsbeteiligung bleibt auch bei Misserfolg auf hohem Niveau. Der kämpferische und läuferische Einsatz kann man dem Team (fast) in keinem Spiel absprechen. Es fehlen einfach nur ca. 6 Punkte, die in den Remis-Spielen gegen Scharnhorst, Derne und Heeren liegen gelassen wurden. Auf der anderen Seite darf man aber auch nicht die als „glücklich aber verdient“ erreichten Punkte vergessen. Der 1:0-Sieg gegen VfL Kamen, wo kurz vor Spielende seitens der Kamener ein Foulelfmeter verschossen wurde oder das kürzlich erreichte 2:2 gegen BSV Schüren (nach 0:2  Rückstand und Ausgleich in den letzten Spielminuten). So gleicht sich in der Saison (manchmal auch schon zur Hinrunde) alles irgendwie immer aus.

    Eines steht aber fest: Um dann die Zielvorgabe doch noch zu erreichen und das alles gut wird, sollten die Königsborner endlich mal zu Hause ihre Punkte holen und nicht nur auswärts punkten, wo bisher 11 von den erreichten 13 erzielt wurden. Das wäre auch endlich mal für alle Helfer, Freunde und Fans, die oftmals auch ein Auswärtsspiel zum gefühlten Heimspiel werden lassen, eine willkommende Geste. Ein Wort noch an alle Helfer, Freunde und Fans:

    SuS Kaiserau gegen Königsborner SV

    Was  hier in Königsborn von den im Hintergrund arbeitenden Helfern geleistet wird, ist schon aller Ehren wert. Da steckt viel Herzblut seitens der Helfer, Gönner, Freunde und Fans darin. Das gleiche gilt auch für die Verantwortlichen des Vorstandes, Trainer- u. Betreuerstab sowie des Physiotherapeuten und nicht zu vergessen für nahezu alle Spieler.

    An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön dafür.

    Schlusswort

    Anzumerken bleibt noch, dass es in unserer Bezirksliga-Gruppe seit Saisonbeginn bis heute schon 4 Trainerwechsel gegeben hat, die mir bekannt sind. Soviel hat es in so kurzer Zeit  nicht mal in der Bundeliga gegeben. Da „klappt es aus beruflichen Gründen“ nicht mehr, da hat man sich in „beiderseitigem Einvernehmen“ getrennt oder der Trainer sieht „keine Perspektive“ mehr…! Meiner Meinung nach, sollte man die Kirche im Dorf lassen und mehr den „Spaß und die Freude“ in den Fokus nehmen. Wir befinden uns im unteren Bereich des Amateurfußballs und sollten uns nicht das „Übel“ aus dem bezahlten Fußball abschauen, das passt nicht in unsere (Amateur-)Welt. Als Trainer von den „weiteren Verdächtigen im Abstiegskampf“ bin ich froh, dass unser Vorstand und die Verantwortlichen ähnlich denken wie ich…!

    Schöne Feiertage und ein gesundes, neues Jahr 2011!

    Sportlichen Gruß,

    M. Laußmann

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