• Expertentalk: HSV und SSV auf dem weiten Weg nach oben

    Zum dritten Mal fand am vergangenen Mittwochabend in der Unnaer Lindenbrauerei der „90+4“-Expertentalk, „die Nachspielzeit im Sudhaus“, statt und stand diesmal ganz im Zeichen unseres heimischen Fußballs. Mit WR-Redakteur Ecki Albrecht, Kreisvorsitzenden Horst Weischenberg, SSV-Präsident  Michael Schröer und HSV-Berater Ingo Peter begrüßte Moderator Ralf Bosse vier heimische Ur-Gesteine, die die heimische Szene aus dem Effeff kennen.

    Der aus Funk und Fernsehen bekannte Moderator führte die Zuschauer erneut durch einen unterhaltsamen Abend an dem seine Gäste ihm interessante Details und Internas verrieten und – wie sollte es bei einer solchen Besetzung auch anders sein – in Nostalgie schwelgten…

    Kreisvorsitzender Horst Weischenberg gab gleich zu Beginn Preis, dass sich der Fußballkreis Unna/Hamm bald in seiner territorialen Ausrichtung verändern und es eine Strukturreform geben wird. „Wir werden wachsen“, verriert er. „Lüdinghausen kommt auf jeden Fall dazu, vielleicht weiten wir uns auch auf den politischen Kreis Unna aus, sodass wir noch Lünen und Schwerte hinzu bekommen. Wir wären dann einer der größten Kreise überhaupt.“ Nachdem sich die Expertenrunde über Schiedsrichterleistungen auf der großen und kleinen Fußball-Bühne und den neuen elektronischen Spielbericht ausgetauscht hatte und auf diesem Gebiet schnell einen Konsens fand – Ralf Bosse hatte in der Runde mit Horst Weischenberg, Ecki Albrecht und seiner Person immerhin schnell drei „mehr oder weniger praxiserfahrene Referees“ ausgemacht – widmeten sich die Szenekenner der SV Holzwickede, die seit nunmehr drei Jahren den Aufstieg in die Landesliga anstrebt. „Das ist gar nicht so leicht“, begann HSV-Berater Ingo Peter zu berichten, „wir sind an Weddinghofen, Wickede und zuletzt Herbern gescheitert. Das waren einfach richtig gute Mannschaften.“

    So unternimmt die HSV in dieser Saison den vierten Anlauf und der ehemalige Profifußballer gestattete den Gästen und Zuschauern einen Einblick ins HSV-Vereinsleben: „Meine Tätigkeit und die aller Vorstandskollegen, Trainern und Helfern dort ist im Prinzip ein Fulltime-Job. Gerade für unsere Jugendtrainer ist dieser Freizeitaufgabe inzwischen eine soziale Aufgabe geworden. Viele Kids hören heute eher auf ihren Trainer als auf die Eltern. Wir übernehmen als Verein Verantwortung“, zollte ehemalige Zweitligatrainer den Mitgliedern großen Respekt. Die Ziele in Holzwickede sind klar: „Die HSV ist ein schlafender Riese. Wir wollen in die Westfalenliga, dafür arbeiten wir jeden Tag. Alles was darüber kommt, wird zu teuer. Wir können unseren Spielern bei der Jobsuche helfen, aber nicht die Gehälter eines NRW-Ligisten zahlen“, erklärte Peter. „Wir verfügen über eine hervorragende Infrastruktur und Holzwickede ist mit Anbindung an Dortmund, Soest und Münster zentral gelegen. Die Voraussetzungen sind da“, meint der sportliche Berater und verriet HSV-Gedankenspiele über eine Fusion mit der SG Holzwickede: „Das kann eigentlich nur der einzige Weg sein, um nach oben zu kommen“, so Peter, „allerdings gestaltet sich alles schwierig. Wir arbeiten daran.“

    „Der Weg nach oben ist weit“, stellte Bosse mit Blick auf Peters Aussagen treffend fest und fragte sich und alle anderen: „Aber wann kommt denn dann der nächste Club aus Unna und Hamm endlich wieder nach oben?“ Der Startschuss für die Ur-Gesteine, um kurz „von früher“ zu berichten: „SV Holzwickede, Hammer SpVg., Eintracht Hamm, SSV Mühlhausen, sie alle waren schon einmal oben“, sagte Ecki Albrecht und die Experten schwelgten in alten Zeiten, als Heinz Libuda oder Reinhold  Wosab noch auf ihrer alten Tage die Schuhe für unseren heimischen Teams schnürten. „Es war der Bergbau, der unsere Vereine früher unterstützte und die Spieler bezahlte. Mit dem Zusammenbruch der Bergbau-Industrie hat sich auch der Spitzen-Fußball aus unserer Region mehr oder weniger verabschiedet“, erklärte der langjährige Redakteur der Westfälischen Rundschau. Gerade in Unna sei mit RWU der Fußball im Kreis untergangen, ergänzte Weischenberg.

    Doch wie auch die HSV will der SSV Mühlhausen-Uelzen mit Michael Schröer an der Spitze in höhere Gefilde zurückkehren. „Der Abstieg aus der Westfalenliga hat uns weh getan, aber wir wollen unbedingt dorthin zurück. Das ist eine hochinteressante Liga mit vielen Derbys. Wir haben letzte Saison Lehrgeld gezahlt“, sagte der 1. Vorsitzende mit leicht gesenktem Blick. „Was uns fehlt ist die Infrastruktur so wie sie die HSV bereits besitzt. Die HSV hat an erster Stelle das Potenzial, um mittelfristig dorthin zu gelangen. Uns fehlt eine Tribüne, ein Vereinsheim, eigene Kabinen. Von der Landes- zur Westfalenliga ist es organisatorisch ein Quantensprung“, so der SSV-Funktionär. In dieser Saison scheint der SSV die Rückkehr noch nicht schaffen zu können. „Mit Roland Beckum marschiert ein Team vorneweg, aber die Saison ist noch lang. Unser Trainerteam hat nun die Aufgabe die Truppe wieder in die Spur zu lenken“, so der Funktionär.

    Fusion ist auch beim SSV ein großes Thema: „Wir sprechen im Vorstand schon seit zwei Jahren darüber“, so Schröer, „wir wären sogar bereit unseren Namen zu ändern und haben über MSV Unna, Mühlhausener Sportverein Unna, oder SSV Unna nachgedacht, aber mit wem sollen wir fusionieren?“ Königsborner SV? „Nein, die fühlen sich wohl in ihrer Situation“, weiß Schröer. RW Unna? „Das Hertinger Tor wird als Stadion geschlossen, der neuen Standort ist uninteressant“, so der SSV-Vorsitzende. Dennoch: Der SSV will angreifen. „Wir haben ein neues Konzept und werden es Sponsoren und Partnern in naher Zukunft, das heißt in den nächsten sechs Wochen, präsentieren. Wenn wir es nicht schaffen, schafft es keiner“, sagt Schröer, der sich zudem mehr Unterstützung von der Stadt Unna erhofft. „Allerdings ist Unna stets eher eine Breitensportstadt gewesen. Der echte Spitzensport hat hier nie so gezählt, was vielleicht auch an der Mentalität der Leute hier liegt“, glaubt Schröer, der weiß: „Nur die Großen überleben und deshalb ist eine Fusion auf kurz oder lang wohl die Lösung.“

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